Was ist Gestalttherapie? – Gestalttherapie in Köln

Jeder Mensch trägt das Potenzial zu Wachstum und Veränderung in sich. Gleichzeitig entwickeln wir im Laufe unseres Lebens Strategien, um mit schwierigen Erfahrungen, Beziehungen und Lebensbedingungen umzugehen. Was einmal sinnvoll oder sogar notwendig war, kann uns später daran hindern, frei und stimmig zu handeln.

In der Gestalttherapie geht es darum, solche Muster wahrzunehmen und besser zu verstehen – nicht, um sie zu bewerten oder vorschnell zu beseitigen, sondern um neue Wahlmöglichkeiten entstehen zu lassen.

Im Hier und Jetzt

Die Gestalttherapie richtet ihre Aufmerksamkeit auf das Hier und Jetzt. Vergangene Erfahrungen und unsere persönliche Geschichte spielen dabei eine wichtige Rolle – entscheidend ist jedoch, wie sie in der Gegenwart weiterwirken.

Manche Erfahrungen zeigen sich heute in wiederkehrenden Gefühlen, Gedanken oder Verhaltensweisen, in unseren Beziehungen oder auch in körperlichen Reaktionen. Indem wir aufmerksam wahrnehmen, was im gegenwärtigen Moment geschieht, können solche Zusammenhänge deutlicher werden.

Dabei geht es nicht darum, die Vergangenheit auszublenden. Vielmehr betrachten wir sie aus der Gegenwart heraus: Was davon wirkt heute noch in meinem Leben – und wie gehe ich heute damit um?

Manchmal gibt es etwas in unserem Leben, das immer wieder unsere Aufmerksamkeit sucht: ein Gefühl, das wir nicht recht einordnen können, ein Konflikt, der uns beschäftigt, eine Sehnsucht, eine Verletzung oder ein Bedürfnis, für das bisher wenig Raum war.

Manches davon ist uns sehr bewusst. Anderes zeigt sich eher indirekt – zum Beispiel in wiederkehrenden Beziehungsmustern, innerer Unruhe, Rückzug, Anspannung oder dem Gefühl, immer wieder an denselben Punkt zu kommen.

In der Gestalttherapie wenden wir uns dem zu, was sich im gegenwärtigen Moment zeigt. Dabei geht es nicht darum, möglichst schnell etwas „wegzumachen“. Wir versuchen zunächst zu verstehen: Was möchte hier wahrgenommen werden? Was brauche ich? Was konnte vielleicht früher nicht gefühlt, gesagt oder getan werden?

Wenn wir solchen Erfahrungen mit Aufmerksamkeit und Neugier begegnen, kann sich etwas verändern. Was bisher festgefahren oder unverständlich erschien, kann klarer werden – und es können neue Möglichkeiten entstehen, damit umzugehen.

Wahrnehmen, verstehen und Neues ausprobieren

In der Gestalttherapie geht es deshalb nicht nur darum, über Probleme zu sprechen oder nach ihren Ursachen zu suchen. Sie ist dialogisch und erfahrungsorientiert: Wir sprechen nicht nur über Ihre Erfahrungen, sondern erkunden auch gemeinsam, was Sie im Moment erleben.

Was fühlen Sie? Was nehmen Sie körperlich wahr? Welche Gedanken tauchen auf? Was möchten Sie vielleicht sagen oder tun – und was hält Sie davon ab? Auch das, was sich in unserer therapeutischen Begegnung zeigt, kann dabei wichtig sein.

Auf diese Weise können Bedürfnisse, Wünsche und Grenzen deutlicher werden und vertraute Muster verständlicher. Manchmal entsteht daraus die Möglichkeit, etwas Neues auszuprobieren und eine andere Erfahrung zu machen.

Die Beziehung zwischen Therapeutin und Klient ist ein wesentlicher Bestandteil der Gestalttherapie.

Ich verstehe Therapie nicht als eine Situation, in der eine Expertin einem Menschen erklärt, was mit ihm nicht stimmt. Vielmehr begegnen wir uns als zwei Menschen mit unterschiedlichen Rollen und Verantwortlichkeiten in einem geschützten therapeutischen Rahmen.

In dieser Begegnung können auch Muster sichtbar werden, die Sie aus anderen Beziehungen kennen. Gleichzeitig entsteht die Möglichkeit, etwas Neues auszuprobieren und andere Erfahrungen mit sich selbst und im Kontakt mit einem Gegenüber zu machen.

Dabei ist mir die grundlegend gütige und wohlwollende Haltung gegenüber unserer Menschlichkeit besonders wichtig. Auch Seiten an uns, die wir ablehnen, bekämpfen oder verändern möchten, sind häufig aus guten Gründen entstanden. Sie zunächst verstehen zu lernen, kann eine Voraussetzung dafür sein, dass Veränderung überhaupt möglich wird.

Das Ziel der Gestalttherapie besteht nicht darin, einem bestimmten Bild davon zu entsprechen, wie man sein sollte.

Vielmehr geht es darum, die eigene Wahrnehmung zu verfeinern, sich selbst besser kennenzulernen und bewusster entscheiden zu können: Was brauche ich? Was möchte ich? Wo sind meine Grenzen? Welche alten Antworten passen heute noch zu meinem Leben – und wo möchte ich etwas Neues wagen?

Wenn wir verstehen, wie wir geworden sind, wer wir heute sind, können neue Handlungsmöglichkeiten entstehen.

Gestalttherapie kann auf diese Weise ein Weg zu mehr Klarheit, Authentizität und Selbstverantwortung sein – und zu einem lebendigeren Kontakt mit sich selbst und anderen.

Die Gestalttherapie wird seit Jahrzehnten psychotherapeutisch praktiziert und wissenschaftlich untersucht. Es liegen Studien und Übersichtsarbeiten zu ihren therapeutischen Wirkungen vor. Gleichzeitig ist die Forschungslage zur Gestalttherapie im Vergleich zu einigen anderen Psychotherapieverfahren weniger umfangreich.

Für mich bedeutet eine verantwortungsvolle therapeutische Arbeit deshalb auch, wissenschaftliche Erkenntnisse ernst zu nehmen, ohne den einzelnen Menschen auf ein Verfahren oder eine Diagnose zu reduzieren.

Kontakt

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